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1982 - Gründung von NETZBAU

Lieber instandbesetzen als kaputtbesitzen

Nach der Hausbesetzerwelle Anfang und Mitte der 70ziger Jahre kam es zu einer zweiten Welle von Hausbesetzungen Anfang der 80ziger Jahre in Berlin, denn viele Gruppen aus der Alternativbewegung waren auf der Suche nach kollektivem Raum zum Leben und Arbeiten.

Gründung des Besetzerrates K36

Ende März 1980 schließen sich Kreuzberger Instandbesetzer im Besetzerrat K 36 zusammen, damit der Erfahrungsaustausch zwischen den einzelnen Häusern sichergestellt ist und ein gemeinsames Vorgehen koordiniert werden kann. Einerseits werden Häuser besetzt und wieder geräumt und andererseits werden einzelne Häuser anerkannt und nachträglich mit Mietverträgen legalisiert. Die Unsicherheit und Räumungsängste in der Besetzerszene werden in Demonstrationen artikuliert. Im Anschluss daran kommt es meist zu Straßenschlachten mit der Polizei. Für die Mieter_innen der instandbesetzten Häuser, die nach einer Lösung des Konfliktes suchen, ändert sich nach den Auseinandersetzungen die Ausgangslage grundlegend.

Legalisierung oder nicht?

Um die aufkeimenden Anstrengungen zu verstärken, eine friedliche Lösung nach der Eskalation der Gewalt zu erreichen, gründete sich 1982 aus Netzwerk heraus die Netzbau GmbH, die später zur Stattbau GmbH wurde. Die Trägergesellschaft sollte als Mittler zwischen den Fronten Besitzer/Senat  und Besetzer_innen fungieren, um die rechtlichen, finanziellen und bautechnischen Probleme zu lösen. Es begann eine intensive Diskussion über verschiedene Trägermodelle, die eine Legalisierung besetzter Häuser ermöglichen sollen. In Kreuzberg gründete die Bezirksverordnetenversammlung einen Sonderausschuss, der Vorschläge für eine politische Lösung des Hausbesetzerproblems entwickeln sollte. Als Ergebnis dieser Bemühungen schließen sich am 13. November 1981 sowohl die senatseigenen Sanierungsträger, als auch die Privateigentümer besetzter Häuser einem Räumungsmoratorium bis Ostern 1982 an, um den Diskussionsprozess nicht zu gefährden. Einzelne besetzte Häuser in Kreuzberg schließen jetzt Mietverträge ab oder werden als Selbsthilfeprojekte legalisiert. Versuche der Besetzerszene, wieder offensiv zu agieren und neue Häuser zu besetzen, bleiben erfolglos. Die Legalisierungsbemühungen von Vermittlern, Bausenator Rastemborski und alternativen Sanierungsträgern wie NETZBAU, werden jedoch immer wieder von der Räumungspolitik des Innensenators Lummer torpediert.

So wird z. B. das Haus Willibald-Alexis-Straße 43 am 1. Juli 1983 kurz vor der Vertragsunterzeichnung polizeilich geräumt. Die Spaltung der Besetzerbewegung in Verhandler und Nicht-Verhandler wird dadurch noch verstärkt. Als die Polizei im Sommer 1983 die Hochburg der Nichtverhandler-Fraktion am Leuschnerdamm räumt, führt dies noch einmal zu Straßenschlachten mit der Polizei in SO 36. Erst im September 1983 unterzeichnet der Senat einen Vertrag mit STATTBAU, wodurch acht besetzte Häuser in Kreuzberg legalisiert und selbstverwaltet saniert werden können.

NETZBAU - STATTBAU 

Netzwerk hatte mit der Gründung der NETZBAU GmbH eine Gesellschaft gegründet, die sowohl für den Senat als Besitzer der Häuser und den Hausbesetzer_innen vermitteln wollte. Es kam trotz Versprechungen des Senates zu Räumungen, so dass sich die Mehrheit der Netzwerker_innen 1982 als politische Antwort auf die Räumungen gezwungen sah, die NETZBAU GmbH aufzulösen.

1983 entstand aus NETZBAU die STATTBAU GmbH mit neuen Gesellschaftern und der Aufgabe, behutsame Stadterneuereung und Instandbesetzung der Häuser durch Bewohner_innenselbsthilfe zu ermöglichen.

Der Mythos der Kunkelei mit dem räumungswilligen Senat aber blieb länger an Netzwerk haften als an den verhandlungsbereiten Besetzer_innen und jetzigen Eigentumswohnungsinhaber_innen.