Bestellen | Spenden | Mitglieder | Übersicht | Impressum |

1987 - Gründung der Ökobank

Der Selbstverwaltung auf die Beine helfen

Die Vision

Die Wurzeln der Ökobank liegen in der Alternativkultur der späten 70er und frühen 80er Jahre, in der Friedens-, Frauen- und Umweltbewegung. Hier entwickelte sich die Idee, dass engagierte Menschen selbst entscheiden sollten, was mit ihrem Geld geschieht. All jenen, die kein Geld in Rüstung, Atomkraft, Umweltzerstörung oder in menschenrechtsverletzende Vorhaben investieren wollten, sollte eine Alternative für ihre Geldgeschäfte geboten werden.

Als die Idee einer besonderen Bank entstand, boomten die Alternativbetriebe und war die Gründungsphase voll im Gange. Zugleich aber zeichnete sich ein Kapitalbedarf ab, der nicht mehr vom Netzwerk-Topf abzudecken war. Die normalen Banken hingegen rümpften die Nase über die Kollektivist_innen - allein die Gesellschaftsform machte die Projekte schon suspekt und nicht kreditwürdig. Doch so einleuchtend und klar den ersten Aktivist_innen die Idee der Ökobank war, so schwierig und langwierig gestaltete sich dann die Umsetzung. Kaum jemand ahnte zu Beginn, wie sehr man sich am stillen Widerstand der Banker die Zähne ausbeißen werde. Im Vorfeld der Bankgründung wurde 1984 der Verein „Freunde und Förderer der Ökobank e.V." gegründet. Mit Unterstützung von Friedensgruppen, Netzwerk Selbsthilfe e.V. und linken Buchläden wurde die Idee einer ökologischen Bank Mitte der 80ziger Jahre in viele Regionen Westdeutschlands getragen und verbreitet.

Bei der Vorbereitung ging es profanerweise um Werbung von Genossenschaftler_innen. Das enttäuschte einen Teil der Aktivist_innen. In der Ernüchterung aber wurden zugleich die Grenzen und die Reichweite der Idee kenntlich: dass die Ökobank lediglich ein sinnvolles, keineswegs aber revolutionäres Instrument sei, um der Selbstverwaltungswirtschaft besser auf die Beine zu helfen und ökologischem Investment eine Chance zu geben.

Die Ziele

Ziele der Ökobank eG waren die Bereitstellung von Finanzmitteln für die damals aufkommenden Ökobetriebe und der Selbstverwaltungswirtschaft, da diese zu jener Zeit noch nicht von traditionellen Banken unterstützt wurden, sowie die Entwicklungsförderung in der so genannten Dritten Welt. Mit ihrer Gründung waren Visionen von einem „alternativen Wirtschaftskreislauf" verbunden, dem damit auch die notwendigen finanziellen Mittel zur Ingangsetzung zugeführt werden sollten.

Die Bank

Nach einer großangelegten Aktion zur Zeichnung von Genossenschaftsanteilen nahm die Ökobank am 2. Mai 1988 in Frankfurt ihre Geschäfte auf. In den ersten zwei Jahren blieb das Kreditgeschäft überwiegend auf den Raum Frankfurt beschränkt, erst 1990 wurde die Kreditvergabe auf das gesamte Bundesgebiet ausgeweitet. Jetzt konnten die Kunden die Ökobank auch als Hausbank wählen. Filialen entstanden in Freiburg, in Berlin und Nürnberg.

Durch die Organisationsform „Genossenschaft" räumte die Ökobank demokratischen Prinzipien in Form von Mitbestimmung und Mitgestaltung viel Spielraum ein. Projekte und Unternehmen, die im Sinne der Ökobank wirtschafteten, konnten günstige Förderkredite erhalten. Ermöglicht wurde dies durch den Verzicht der Kunden und Mitglieder auf maximale Zinsen. Der Zinsverzicht wurde als zinsvergünstigter Kredit weitergegeben.

Die Krise

Im Jahre 2000 geriet die Ökobank in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Mehrere Unternehmen konnten größere Kredite nicht zurückzahlen, so dass die Sicherungseinrichtung des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken in Anspruch genommen werden musste. Die Ökobank hatte zu dieser Zeit ein Bilanzvolumen von 380 Mio. DM und 24.000 Mitglieder. Die Krise zeigte auch interne Schwachstellen und Managementfehler auf. So hatte die Entwicklung der Organisation nicht mit dem enormen Wachstum Schritt gehalten.

Im Frühjahr 2003 wurde das Bankgeschäft auf die ebenfalls ethisch-ökologisch orientierte GLS-Gemeinschaftsbank übertragen. Die abgewerteten Geschäftsanteile der Ökobank eG wurden in neue Anteile an der Finanzdienstleistungsgenossenschaft OekoGeno eG umgewandelt.