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Mutige Adbusting-Ausstellung im Kunstraum Kreuzberg

Werbepause: The Art of Subvertising

Adbusting: So nennen es Aktivist*innen, wenn sie Werbeplakaten mit Farbe oder Aufklebern einen neuen Sinn geben, sodass diese politische Botschaften verkünden. Mit solchen Kunstwerken füllt der Kunstraum Kreuzberg nun eine ganze Ausstellung.

Die Ausstellung startet am Freitag, den 17. Juni 2022.

Mit dabei: Kunstwerke, derentwegen die Berliner Polizei Hausdurchsuchungen und DNA-Analysen veranstaltete. Auch der Berliner Verfassungsschutz meldete 2018/19 drei Adbusting-Aktionen ans Terrorabwehrzentrum GETZ.

Über 50 Künstler*innen aus ganz Europa

Die Ausstellung versammelt Werke von über 50 Künstler*innen aus ganz Europa. Für die Werke aus Berlin und Deutschland ist der Berlin Buster's Social Club verantwortlich. Auf einer Ausstellungswand versammeln sie ein Original
und 10 Fotografien von Adbustings, die sich mit Werbung der Polizei oder des Militärs auseinandersetzen.

Tiefer Blick in die Historie des Adbusting

Darüber hinaus trägt der Berlin Buster's Social Club einen außergewöhnlichen Teil der Ausstellung bei. Der Club zeigt anhand von Zeitungsartikeln, dass Adbusting mit
Wahlplakaten bereits in den 1920ern ein Massenphänomen war. Auch Widerstandsgruppen im Nationalsozialismus bedienten sich der Aktionsform. Der Berlin Buster's Social Club rekonstruierte mit Fundstücken aus dem Bundesarchiv in Koblenz und dem Deutsch-Russischen Museum eine Adbusting-Aktion der "Roten Kapelle" aus dem Jahr 1942 gegen die NSDAP-Propaganda-Ausstellung "Das Sowjet-Paradies"?.

Außerdem zeigt der Berlin Buster's Social Club Gestapo-Akten aus der Gedenkstätte Zwangsarbeit Berlin-Schöneweide, die Adbusting-Aktionen im besetzten Polen und den besetzten Niederlanden gegen die Rekrutierung von Zwangsarbeiter*innen dokumentieren. Auch gefälschte Zeitungen verwendete z. B. bereits der belgische Widerstand im Jahr 1943, wie ausgestellte Fundstücke aus dem Archiv des Berlin Busters Social Clubs zeigen.

Schlüssel für Werbevitrinen aus dem Snack-Automat

Wer nach der Ausstellung Lust bekommen hat, auch mal Thema im Terrorabwehrzentrum GETZ zu sein oder ein Werk zum Bundesverfassungsschutzbericht beizutragen, findet in der Ausstellung alles Notwendige. Die Ausstellungsmacher*innen funktionierten einen Verkaufsautomaten kurzerhand um. Statt Süßigkeiten oder Getränken stelltdieser nun Rohrsteckschlüssel und als "Unsichtbarkeitsmäntel" bezeichnete Hochsichtbarkeitswesten zur Verfügung.

Politische Kunst muss politisch sein. Wir dürfen uns nicht wegducken vor Terrorabwehrzentrum, Geheimdienst, DNA-Analysen und Hausdurchsuchungen.

Die Ausstellung wird am Freitag, den 17. Juni mit einem feierlichen Programm vom 17:00 bis 22:00 eröffnet.

Vom Berlin Buster's Social Club werden die Künstler*innen Boris Buster und Adbustian Bustewka anwesend und für Interviews ansprechbar sein. Die Ausstellung ist noch bis zum 21. August 2022 Sonntags bis mittwochs, jeweils 10 bis 20 Uhr und Donnerstags bis Samstags, jeweils 10 bis 22 Uhr zu besichtigen.

Der Eintritt ist kostenlos.

Mehr Infos zur Ausstellung "Werbepause. The Art of Subvertising":
https://www.kunstraumkreuzberg.de/programm/werbepause-the-art-of-subvertising

Mehr Infos zum Berlin Busters Social Club:
https://bbsc.blackblogs.org